Drei Mal Mont-Blanc

img_3564Schon in meinem Jahr als Sportsoldat entwickelte ich den Traum, von Vinon bis zum Mont Blanc und vielleicht sogar ein bisschen weiter zu fliegen. Als Sportsoldat gelang mir dies nur während des Frühjahrtrainingslagers an einem Wellenflugtag. So war mein Ziel für die Semesterferien im Sommer 2011 klar gesteckt: thermisch bis zum Mont Blanc und zurück nach Vinon.

Ende August Ankunft in Vinon, 40°Celsius, blauer Himmel und am Horizont die Berge mit wunderschönen Cumuli.

 

 

 

Erster Tag

mblancAm Folgetag gab es keinerlei Änderung an der skizierten Situation, jedoch stand mein Flugzeug am Start und um 1 Uhr Lokal ging es los zum erstenFlug der Saison in den Bergen. Wie üblich stellten sich die ersten 30km bis in die Berge als etwas trickreich dar, sodass ich kurz vor dem Einstieg in die Berge an den Vorhügeln vom „Ben" in tiefster Gangart einen Bart finden musste. Nach einigen schweißtreibenden Minuten drückten 2,5m/s den Ventus nach Oben und von dort an wurde der Flug zu einem wahren Genuss. Denn schon die nächste Thermik brachte mich mit über 5m/s integriert
auf 3000m. Schnell ging es über die Standartroute Col d’Alos, Col de Vars und „Rote Wand" weiter nach Norden, wo ich dann vor der Maurienne nach Norden in weiterhin gut entwickeltes Wetter blickte. Sollte es wohl heute schon nach Norden klappen? Völlig Problemlos überquerte ich die Maurienne und fand auf der Nordseite wieder gutes Steigen.

arcus
Weiter nach Norden, für mich Neuland, jedoch durch die gute Wolkenoptik leicht gemacht. Vorbei an Courchevel und stets die Außenlandemöglichkeiten im Westen im Hinterkopf rückte der große Berg im Norden immer näher. Kurz vor dem Mont Blanc machte ich bei Kilometer 240 auf Vinon kehrt. Sehr zufrieden landete ich kurz vor Sunset, einen tollen Flug hinter mir und der OLC belohnte mit über 700km mit einem Schnitt von 116km/h.

Ein ganz ähnlicher Flug gelang mir am 25.8 im Teamflug mit Sebastian Nägel, wo wir gemeinsam zum Mont Blanc flogen. Wir wählten grundsätzlich die gleiche Route, wie beim ersten Flug, jedoch drehten wir etwas früher, da sich die Wettersituation, als nicht ganz zuverlässig darstellte.

 

 

 

Drei Gipfel

Zum Abschluss des Urlaubs gab es dann nochmal ein Highlight. Wie üblich verbrachten wir die Morgenstunden am Pool und beobachteten den Windsack, welcher uns bei Auffrischung des Windes Startbereitschaft signalisiert. Um 12:30 Uhr frischte der Wind etwas auf, sodass sich um kurz nach 13 Uhr der Ventus in sein Element begab. Ein relativ Problemloser Weg über das Plateau fand am Parcours sein Ende, welcher aus irgendwelchen Gründen nicht so richtig funktionierte. Tief quälte ich mich über die Standartroute bis zur Blanche, wo vernünftige Höhe zum Weiterflug nach Osten erkurbelbar war. Weiter tastete ich 

mich nach Osten über Barcelonette Richtung Monte Viso, welcher Majestätisch am äußersten östlichen Alpenrand die Luft aus der Po-Ebene herauf zu schaufeln scheint. An der letzten Bergrippe vor dem Monte Viso erstieg ich fast 4000m um dann über tiefhängenden Wolken bis direkt an den Berg zu gleiten, welcher immer mehr von Wolken eingehüllt wurde. Die Optik an diesem Ort ist immer wieder beindruckend, da man in die tiefliegende Po-Ebene mit der für den Segelflieger so schlechten Luft blickt und neben sich kleine Wolkenfetzen herumwabern.

Vom Monte Viso ging es wieder auf Nordkurs am Mont Blanc entlang bis zur Grande Rochere wo ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit kehrt machte. Keinesfalls wollte ich an der Maurienne zu tief für den Sprung nach Süden sein. Meine Sorge stellte sich als unbegründet heraus, der Rückweg gelang schneller als gedacht, sodass ich einen weiteren Abstecher über die Ecrins nach Westen zum Pic de Bure machen konnte. Der Heimweg am Abend über den Parcours stellte sich dann nochmal als Herausforderung dar, da die Basis aufgrund von einer Luftmassenänderung stark herabgesunken war. Außerdem entwickelte sich im Assetal vor Vinon ein Gewitter was die Sicherheitshöhe auf Vinon kurzzeitig ins Minus laufen ließ. Letztlich reichte es doch gerade so um das Gewitter herum und mit wenigen Metern plus erreichte ich den Flugplatz nach diesem fantastischen Flug. Drei der am meisten beindruckenden Berge in dieser Region in einem Flug zu erleben, werde ich sicherlich nie vergessen.

ventus

Michael Wiech

4. September 2011