Mein erster Flug zum Matterhorn am 26.08.2016

Geschrieben von Frank Strewinsky.

Ich fliege erst seit einigen Jahren und bin ein spätberufener Segelflieger. Durch meine Zugehörigkeit zur Bundeswehr bin ich auf das Trainingslager in Frankreich in Vinon sur Verdon im Jahre 2012 aufmerksam geworden, was traditionell jedes Jahr um Ostern stattfindet. Weiterhin treffen wir uns zum Ausklang der Saison jedes Jahr im Spätsommer und sind eng mit unserem französischen Verein verbunden.

Fliegen in den Bergen ist eine Königdisziplin und birgt viele Gefahren, die man unbedingt kennen muss. So war ich bei unseren deutschen und französischen Kameraden bestens aufgehoben, da diese über viele Jahre Gebirgsflugerfahrung besitzen. Auch birgt der Standort Vinon viele Vorteile um das Fliegen in den Bergen zu lernen. Diese Mischung aus Lage und gesammelten Erfahrungen hat es mir in den vergangenen Jahren immer weiter ermöglicht, mich in das Hochgebirge vorzutasten.

Nun im Sommer 2016 war es nun endlich soweit, dass ich mich endlich mal über das Modane-Tal trauen wollte. Viele traurige Geschichten über Unfälle und die nahezu Unlandbarkeit dieses Tals haben sich bei mir als das Bermudadreieck für den Segelflug eingebrannt. Entsprechend hoch waren mein Respekt, die Vorbereitung und die Anspannung sowie Vorfreude auf meine ersten Versuche. Entscheidend für das Vorhaben war es die Wetterlage einzuschätzen und die Arbeitshöhen insbesondere für das Modane-Tal zu kennen, da das Tal einfach nur oben zieht.

Ich habe mich entschieden, das ganze Vorhaben über das Tal zum Matterhorn zu fliegen in drei Schritte einzuteilen:

  1. Im Infoteam des Vereins mich entlang der Route Richtung Aosta-Tal als Anhängsel zum Col du Carro leiten zu lassen
  2. Die Route nochmals alleine abzufliegen und mich bis zum Aosta-Tal ranzutasten
  3. In einem Doppelsitzer den Sprung über das Aosta-Tal zum Matterhorn zu bewältigen.

Am 26.08. war uns der Wettergott wohl gesonnen und das Vorhaben in greifbare Nähe gerückt. Morgens habe ich im Briefing den Pilote du Chef (Antoine) sowie Vereinskollegen gefragt, ob eine Mitflugmöglichkeit Richtung Aosta-Tal bestünde. Leider waren alle Teams schon komplett. Jantoon, der schon seit 15 Jahren hier mit einem Clubklasseflieger in den  Alpen sein Unwesen treibt, hat sich entschlossen seinen bereits vollgetankten Flieger mit Ballastwasser vom Start wegzuschieben und mit mir in der ASH 25 des Vereins für das Vorhaben zu fliegen.

Gesagt, getan! Um 12 Uhr standen wir am Start und es ging über das Plateau du Valensole, den 2. Parcours und den Col D’Allos ins Barcelonnette Tal. Von dort über den Grand Bérard zum Col d‘ Izoard. Hier war die Basis bereits auf 4200m ca. 300 m höher als an den Bergen vom Col de Vars. Weiter ging es dann Richtung Col d’Etache ins Modane-Tal. Hier war wegen des Ostwinds alles irgendwie anders als die Tage zuvor. Über die klassische Strecke Mt. Cenis, Charbonnel und L’Alberon entlang des Grates des Modane-Tals zum Col du Carro, der das Modane-Tal vom Aosta-Tal trennt. Der Ostwind verlangte, dass man mit der ASH 25 sehr eng kurbelte, was mir als jemand, der einen  18m Flieger gewohnt ist, nicht immer gut gelang, da der Koffer doch recht behäbig ist. Doch Dank der tollen Unterstützung von Jantoon war das alles kein Thema.

Schön war hier in 4200 m Höhe die feuchte Luft in der Poebene zu sehen, die Turin in der Ferne erahnen ließ. Die Basis war in der Po Ebene gut 1200 m tiefer.

Vom Col du Carro ging es entlang der Gd Rousse entlang der westlichen Seite zum Mt Fallere wieder hoch zum Gd Combin. Die Wolken waren gut entwickelt und zogen bis auf 4000m. Dem Matterhorn waren wir schon recht nah und die großen Gletscher des Zermatt und Monte Rosa waren zu sehen.

Auch der Blick nach links auf den Mt Blanc war unvergesslich – umgeben von 4000er. Endlich am Matterhorn angekommen war ich einfach nur fasziniert von dem Anblick, der schon viele Opfer gefordert hat. Ein Blick auf die Eigernordwand hat mir Respekt eingeflößt sowie der Blick ins weit darunter liegende Städtchen Zermatt.

Zwischenzeitlich war es 16:00 Uhr und wir haben uns entschlossen noch zum Ausgang des Tals Richtung Brig zu fliegen, da wir ja auch noch den Rückweg einplanen mussten. Vorbei am Dome haben wir noch einen Blick ins Tal von Saas Fee geworfen, was mit seinem 4000m hohen Bergen unbeschreiblich imposant ist.

Für den Rückweg haben wir uns entschlossen nun einen östlicheren Weg zu wählen. Zurück zum Matterhorn über den Pt Fotanella, Aosta Flugplatz zur La Grivolla. Hier kamen wir recht tief an, so dass wir uns hochachtern mussten bis wir über Grat den turbulenten Bart am Nordende genommen haben. Nach ca. 200 m Höhengewinn konnten wir endlich den klassischen Hausbart nutzen, der uns auf ca. 4100 m spülte. Nun war der Schlüsselpass Carro ein Kinderspiel und wir waren schon mal sicher im Gleitbereich auf Solieres. Jetzt war das nächste Etappenziel über den Col d’Etache wieder nach St. Crepin zurück zukommen.

Die Basis war nun deutlich gestiegen und es war wirklich deutlich einfacher mit den Wolken die Bärte zu nutzen. Wir gleiteten entspannt in ausreichender Höhe zum Mt Chaberton, der uns im Funk mit 6m/s einen Bart angekündigt wurde. Wir haben ihn leider nicht nutzen können und haben uns an der zuverlässigen Tete d’Amont unsere Abflughöhe für den 140 km langen Final auf Vinon geholt.

Entspannt und den Ausblick auf die Ecrins genießend, haben wir Ziel auf den Pic de Morgan, die la Blanche vorbei am Blayeul nach St. Auban zu nehmen, um von hier aus das am Abend tragende Durance-Tal zu nutzen.

Nach 7 Stunden und 660 km sind wir wohlbehalten in Vinon gelandet und haben sagenhafte Erlebnisse genießen dürfen. What a day!

Mein besonderer Dank gilt allen, die mich in den letzten Jahren immer wieder von Ihrem umfangreichen Wissen profitieren lassen haben und mich an die Hand genommen haben. Dieses Wissen ist unbezahlbar und machen Alpenfliegerei zu einem kalkulierbareren Risiko. Auch der Standort Vinon, der am Ende des Durance-Tals liegt, hat einen Vorteil – man gleitet am Abend die mühsam erarbeitet Höhe ab und genießt einfach nur den Anblick der Provence, die durch die tiefstehende Sonne alles in ein leuchtendes Rot verwandelt und die Täler im Schatten unvergesslich zeichnet.

http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?flightId=-930296366

PS: Am 28.08. bin ich die gleiche Strecke nochmals alleine in meiner DG 800 S geflogen und habe noch einen Abstecher zum Mt Blanc unternommen - ein super Abschluss der Saison 2016.

 http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?flightId=-762931127